von Christian Giese
1970 in der pädagogischen Hochschule Berlin bei Professor Wolfgang Nickel, begegnete der Berliner Günter Jankowiak zum ersten Mal seinem Lebensthema: Theater für Kinder und Jugendliche.
Ins Gespräch mit dem Publikum kommen. Den Jugendlichen zuhören, ohne zu urteilen.Das hat ihn ausgemacht als Autor und Regisseur. Angefangen hat er aber als Schauspieler und Musiker.
1982 fiel beim Stück „Darüber spricht man nicht“ ein Gitarrist aus, Günter sprang ein und damit begannen fast zehn Jahre beim Kindertheater Rote Grütze in Berlin. Dort lernte er auch Dani Levy kennen und spielte 1988 den Vater in dessen Kinofilm „Robbi, Kalle, Paul“.
Doch wichtiger als die Schauspielerei waren ihm das Schreiben und die Regie. Er schrieb über 25 Stücke für namhafte Kinder und Jugendtheater (Theater Rote Grütze Berlin, Theater Havarie Potsdam, Theater carrousel Berlin , Theater Strahl und andere) etliche wurden ins Englische, Russische, Estnische und Niederländische übersetzt.
Günter wurde vielfach ausgezeichnet:
Mit dem Gebrüder Grimm Preis
1989 „Gewalt im Spiel“ beim Theater Rote Grütze
1999 „Willis Kastanie“ beim carrousel Theater an der Parkaue
Mit dem IKARUS
2003 „Genau wie immer, alles anders“ am Theater Strahl und zusammen mit drei anderen Autoren mit dem Friedrich-Luft-Preis
2019 „#Berlin, Berlin“ ebenfalls am Theater Strahl
Beim Schreibprozess interessierte Günter zu allererst :
Wie wirken gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge auf Kinder und Jugendliche ein?Um dann konkret zu fragen: Wie entstehen Gewalt und Ausgrenzung? Was ist die Ursache von Drogenkonsum? Wie bringt man „Die Pubertät“ auf die Bühne?
Er selbst hat nie vergessen, was es bedeutet jung zu sein, auf der Suche zu sein. Er war sich bewusst , wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen den Halt zu geben, aus dem heraus sie ihre eigene Haltung entwickeln können.
Ich habe Günter 2001 bei seiner Bearbeitung von Romeo und Julia erlebt. Er hatte mich als Mercutio besetzt und es hat mich fasziniert wie es Günter gelungen war, den Shakespeare-Text scheinbar mühelos ins Heute und passgenau für 14-jährige Menschen zu übertragen.
Außerdem erfuhr ich, wie wohlwollend, unterstützend und absolut unnachgiebig er als Regisseur uns alle dazu trieb, zum Kern eines Themas vorzudringen und sich nie mit der Oberfläche zufrieden zu geben.
Das Theater für junges Publikum hat eine wichtige Stimme, einen wunderbaren Autor und einen engagierten Anwalt für die Sache der Kinder und Jugendlichen verloren. Am 14. November ist Günter Jankowiak in Berlin gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.
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Christian Giese ist Schauspieler, Autor und Regisseur. Er arbeitet aktuell am Grips Theater und war von 2000 bis 2010 Teil des Ensembles von Theater Strahl.